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Über dienende Führung

Die Suche nach “Dienende Führung” ergibt bei google am 13. Juni 2009 webweit 141.000 Suchergebnisse. Die google-Suche nach “Führung” liefert 15.9 Mio Ergebnisse. D.h., ca jeder 100ste Beitrag der sich mit “Führung” beschäftigt, erwähnt “Dienende Führung”.
Vor einem Jahr lieferte die google-Suche nach den Kombinationen “dienende Leiterschaft”, “dienende Führung”, “dienende Unternehmensführung” und “dienende Leitung” übrigens insgesamt noch weniger als 1000 Ergebnisse! Detailinfos hier.

Im englischsprachigen Raum wird “servant leadership” bei jedem 400. Beitrag zum Thema “leadership” erwähnt. Stand 22.6.09: “leadership”: 145 Mio Einträge, “servant leadership”: 336.000.
All diese Zahlen sagen natürlich nichts über die Qualität der Beiträge oder über die Umsetzung von “dienender Führung” in der Führungspraxis aus.

„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ sagt ein afrikanisches Sprichwort. Was für das Gras gilt, das gilt auch für Mitarbeiter. Mitarbeiter in Unternehmen wachsen nicht dadurch schneller, dass ihre Vorgesetzte ständig an ihnen ziehen oder auf anderen Wegen versuchen, Wachstum von außen zu erzwingen. Wachstum von Mitarbeitern geschieht da am effektivsten, wo die Führungskräfte den Boden bereiten und das Wachstum durch regelmäßige Pflege fördern. Das Gras wächst genau dann schneller, wenn man es von Moos befreit, regelmäßig bewässert, mäht und düngt.

Dienende Führer sind wie gute Gärtner, die ihre Pflanzen kennen, ihnen den Boden bereiten, das Wachstum der Pflanzen individuell fördern, darauf achten, dass keine Blume die andere in den Schatten stellt, Unkraut entfernen, regelmäßig beschneiden und sich an den Früchten der Pflanzen freuen. Wohl wissend, dass selbst der beste Gärtner das Wachstum der Pflanzen nur begleiten und fördern, nicht aber selbst machen kann.

Im Zentrum dienender Führung steht das Wachstum der Mitarbeiter. Der Führer oder Leiter ist im Grunde ein leitender Diener, dem es zuallererst ums Dienen - statt ums Führen - geht. Anstatt sich selbst zu dienen oder zu bedienen will der dienende Leiter zuerst dem Wachstum anderer dienen.

Dienende Führung basiert daher vor allem auf einer dienenden Einstellung – viel mehr als auf der Beherrschung bestimmter Führungseigenschaften.
Dienende Führung zeichnet sich dadurch aus, dass sie:
- Fokussiert ist auf das Mitarbeiterpotential - statt auf das Renditepotential
- begründet auf Beziehungen - statt auf Hierarchien
- praktiziert durch Einfluss - statt durch Befehl und Gehorsam, und
- einem gemeinsamen Ziel verpflichtet - statt einem einsamen Leiterziel - ist.

Dienende Führung funktioniert, macht Sinn und ist natürlich.
Dienende Führung ist widernatürlich. Der Mensch strebt natürlicherweise stets nach oben zu mehr Macht und Ansehen. Das war schon zu biblischen Zeiten so. (Beispiel: Die Jünger Jesu im Markusevangelium) Und das ist auch heute noch so (Artikel zur Krise, die Zeit).
Aber es gab auch immer wieder beeindruckende Beispiele von dienender Führung. Das beste und überzeugendste Beispiel ist Jesus Christus, der seinen Mitarbeitern die Füße gewaschen hat und für sie sein Leben gegeben hat, obwohl er es nicht musste. Jesus Christus hat seinen Nachfolgern gesagt, sie sollten sich an ihm ein Beispiel nehmen, wenn es ums Leiten geht und sollten einander dienen.

Ich bin der erste Diener des Staates, war der Anspruch des Alten Fritz. Ich bin der erste Diener des Staates ist auch der Anspruch der ersten deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Doch anders als bei Jesus Christus scheitern viele gut gemeinte Ansätze oft schnell an den praktischen und menschlichen Realitäten. Es entspricht eben nicht dem normalen menschlichen Streben einander zu dienen. Desto wichtiger sind dienende Führer als Vorbilder, die dienende Führung nicht nur lehren, sondern vor allem auch leben. Dienende Führung ist viel schwerer als traditionelle top-down Führung. Dienende Führung zielt auf langfristiges und nachhaltiges Wachstum, zur Erreichung kurzfristiger Erfolge ist sie nicht so geeignet.

Dienende Führer in einem Unternehmen sind wie Gärtner in einem Garten. Analogien aus der Gartenwelt machen wesentliche Prinzipien dienender Unternehmensführung deutlich.